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12.03.10 13:07 Alter: 177 days

 

Das Potenzial der Vernetzung nutzen


Kunststofftechnik als universitäres Forschungsfeld in Thüringen zu etablieren, war und ist das Ziel der zunächst auf fünf Jahre festgesetzten Stiftungsprofessur an der TU Ilmenau. Ein Jahr ist es jetzt her, dass Prof. Dr. Koch in die zu jeweils einem Drittel von Industrie, TU Ilmenau und dem Land Thüringen finanzierte Stelle berufen wurde. Ein Jahr Arbeit, Aufbau und gleichzeitig ein Jahr der Krise für die Kunststoffbranche, immerhin die viertgrößte Branche in Thüringen. Der Wirtschaftsspiegel traf Prof. Dr. Koch, um über Entwicklungen, Stand und Zukunft der Forschung in der Kunststofftechnik aber auch über klare Forderungen an die Landesregierung zu sprechen.


Mit dem Aufbau eines universitären Forschungsfeldes der Kunststofftechnik schließt sich eine lang bestehende Lücke im Bereich Forschung und Entwicklung. Gerade im Hinblick auf die Gewichtung der Kunststoffindustrie ein notwendiger Schritt, der darüber hinaus vom Timing enorme Chancen für Thüringen böte, wie Koch weiß. Viele renommierte Lehrstühle an deutschen Universitäten befinden sich gerade im Nachfolgemanagement oder haben dieses kürzlich abgeschlossen. Alte, zum Teil eingefahrene Strukturen werden neu geordnet. Das gibt der TU die Möglichkeit, gleich zu Beginn an den Netzwerken zu partizipieren und so die Thüringer Kunststoffforschung über die Landesgrenzen hinaus zu etablieren. „Die Möglichkeiten, sich neu zu vernetzen, sind so gut wie selten“, sagt Koch. Nach seiner Einschätzung gibt es in Thüringen viele Unternehmen mit 30 bis 140 Mitarbeitern, die über enormes Technologiepotenzial verfügen, gleichzeitig aber nicht die nötige Reichweite für die großen Märkte haben. Hier fehlten häufig die Möglichkeiten der Forschung und Entwicklung, um eine Idee bis hin zur Marktreife voranzubringen. „Da besteht ein enormer Bedarf, den ich so hoch bei meinem Antritt nicht vermutet habe“, so Koch. Ist auf der einen Seite der Bedarf in der Wirtschaft enorm, bleibt es auf Universitätsseite vergleichsweise ruhig, wenn es um Schaffung von Ressourcen für den Lehrstuhl geht. Hier sei in den nächsten Wochen und Monaten noch einiges an Arbeit zu leisten. „Wir benötigen zunächst einmal eine Basis, um überhaupt operationsfähig zu sein“, meint Koch.

Das Jahr des Netzwerkens war gleichzeitig das Jahr der Wirtschaftskrise. Nach Koch war die Kunststoffindustrie davon schwer betroffen. Gleichzeitig bot die Krise aber auch Chancen für viele Betriebe im Freistaat. Sie erhielten Aufträge, die durch krisenbedingte Auflösungen anderer Firmen möglich wurden. Der längere Atem hiesiger Kunststoffunternehmen war nach seiner Einschätzung unter anderem durch das niedrigere Lohnniveau, welches die Betriebe wettbewerbsfähig mache, möglich. „Allerdings stellt sich die Frage, wie Hightech und Lowcost zusammenpassen“, so Koch weiter, „und da spreche ich pro domo: Das geht nur, wenn man eine Hochqualifizierung erreicht.“ Es sei an der Zeit, dass die Kunststoffindustrie erkennt, dass sie sich zur nächsten Ebene weiterentwickeln muss. „Und das bedeutet Innovationen“, ist sich Koch sicher. So sei der Ansatz, gerade jetzt diese Stiftungsprofessur von Seiten der Industrie nachhaltig zu etablieren, sehr intelligent. Hier sind weiterhin alle Beteiligten aus dem Umfeld gefragt. Vor allem auch die Politik. „Jetzt muss, und das ist eine Anforderung die ich an die Landesregierung stelle, die notwendige Infrastruktur zum Aufbau eines kunststofftechnischen Entwicklungszentrums in Verbindung mit einer technischen Universität gefördert und bereitgestellt werden“, so Koch. Neben der Forschung steht natürlich auch die Lehre. Derzeit noch rein fakultative Kurse anbietend, geht Koch davon aus, dass in spätestens fünf Jahren zwischen zehn und 20 dringend benötigte Absolventen mit einer einschlägigen Qualifizierung in der Kunststofftechnik aus der TU Ilmenau für den Markt zur Verfügung stehen. (rw)

 

Weiterführender Link: www.tu-ilmenau.de

 

Rubrik: Forschung & Entwicklung, Porträts