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12.03.10 15:32 Alter: 177 days

 

Die Chance einer Insolvenz und die Rolle der Banken


Dagro Eissmann Automotive GmbH lautet die Lösung einer der wohl brisantesten Insolvenzfälle des vergangenen Jahres. Der größte gewerbliche Arbeitgeber rund um Gera, die Dagro GmbH, war zahlungsunfähig. Die nackten Zahlen sprachen von 70 Entlassungen, mehr als eine Million Euro Schulden allein bei der Comerzbank. Dahinter standen persönliche Schicksale und Ungewissheit über die Zukunft des Unternehmens und damit der verbliebenen 320 Mitarbeiter. Georg Blinn leitete seit Januar 2008 die Geschicke der Firma.


Wirtschaftsspiegel: Worin sehen Sie die Chance bei einer Insolvenz?

 

Blinn: Der Vorteil des jetzigen Insolvenzverfahrens ist, dass man Altlasten, die das Unternehmen schädigen, einfach abschneiden kann. Damit bleibt das übrig, was man betriebswirtschaftlich verwerten kann und ein Unternehmen bleibt überlebensfähig.

 

Wirtschaftsspiegel: Inwiefern hängt der Erfolg einer Insolvenz vom jeweiligen Verwalter ab?

 

Blinn: Sehr stark. Es kommt immer darauf an, inwiefern der Insolvenzverwalter ein Konzept mit trägt. In Deutschland hat er enorme Macht. Er ist derjenige, der entscheidet, was mit dem Unternehmen passiert. Die traditionell gewachsenen, die damals noch Konkursverwalter hießen, hatten immer ein Zerschlagungsszenario im Kopf. Aber in jedem Unternehmen gibt es Kerne, die man Verwerten kann. Es ist nie ein Unternehmen insgesamt marode. Hier wird sich, das glaube ich, die Politik auch weiterentwickeln. Es wird mehr in Richtung Chapter Eleven, wie in den USA gehen und damit in die Richtung der Fortführung eines Unternehmens.

 

Wirtschaftsspiegel: Wie haben Sie die Insolvenz Ihren Kunden Nahe gebracht?

 

Blinn: Wir haben die großen Kunden Pro-Aktiv informiert. Ich besuchte Vorstände und habe sie von der bevorstehenden Insolvenz in Kenntnis gesetzt.

 

Wirtschaftsspiegel: Hatten Sie während des Insolvenzverfahrens Unterstützung durch Ihre Hausbank, der Comerzbank?

 

Blinn: Nein, nach der Kündigung der Finanzierungslinie haben wir auch mit der Comerzbank nicht mehr verhandelt. Wir haben versucht, auch über die Politik Einfluss zu nehmen. Wirtschafts- und Finanzministerium haben sich für uns eingesetzt, und mit Vorlage eines Dreijahresplanes konnten wir die Kreissparkasse von einer Finanzierung überzeugen.

 

Wirtschaftsspiegel: Ist die Krise überstanden?

 

Blinn: Die existenzgefährdende Krise für das Unternehmen ist erstmal vorbei.

 

Das Interview führte René Weigel

 

Weiterführende Links:

www.dagro-eissmann.com

 

Hier gehts zum Hintergrund des Interviews

 

 


 

 

Rubrik: Interviews