Die wenigsten Arbeitslosen in Ostdeutschland
hat Thüringen. Das belegen die heute veröffentlichten Zahlen der Arbeitsagenturen. Die konjunkturelle Erholung in Deutschland hat inzwischen nahezu alle Bereiche der Wirtschaft erfasst. Die Kapazitätsauslastung in den Betrieben ist weiter gestiegen; sie hat ihren langjährigen Durchschnitt fast wieder erreicht:
„Die zunehmende wirtschaftliche Dynamik gibt vor allem dem Arbeitsmarkt starke Impulse: Die Unternehmen stellen weiter ein, Kurzarbeit wird abgebaut, die Arbeitslosigkeit geht im Vergleich zum Vorjahr weiter zurück - gegenüber 2009 hat sie bereits um 271.000 Personen auf 3,192 Millionen abgenommen“ erklärt Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Im Bundesdurchschnitt erhöhte sich bedingt durch die Sommerpause die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vormonat um 39.000 auf 7,6 Prozent.
Im ostdeutschen Vergleich hat Thüringen mit 9,6 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquete. Wie die Arbeitsagenturen mitteilen, waren im Juli 113.400 Menschen im Freistaat ohne Arbeit. Das sind zwar 400 mehr als noch im Juni, aber dennoch 23.900 weniger als im Vorjahr. Ähnlich wie Brüderle auch das Thüringer Wirtschaftsministerium den Trend ursächlich in konjunktureller Erholung: „Die Entspannung der vergangenen Wochen und Monate setzt sich in Thüringen fort, der im vergangenen Jahr noch von allen Experten vorhergesagte Einbruch ist ausgeblieben, erläutert Thüringens Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Staschewski die aktuellen Arbeitsmarktzahlen. Dennoch, so Staschewski, dürfe nicht zu früh Entwarnung gegeben werden: „Wenn die ersten Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für die kommenden Monate wieder nach unten korrigieren, dann sollten wir auch bei der Beurteilung des Arbeitsmarkts realistisch bleiben.“ So hatte beispielsweise das Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW) seine Prognose für das dritte Quartal auf 0,5 Prozent reduziert – mehr als eine Halbierung gegenüber dem zweiten Quartal (1,1 Prozent). Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Wirtschaft Thüringens, Stephan Fauth, bezeichnet die Zahlen ebenfalls als erfreulich, aber warnt auch vor Euphorie, denn: "Trotz der optimistisch stimmenden Zahlen des Arbeitsmarktes ist die Wirtschaft noch nicht aus allen Gefahrenzonen heraus.“
Für die Zukunft sei ein weiterer Abbau der Arbeitslosen möglich, auch wenn sich die Auftragslage weiterhin stabil zeige. Man müsse dabei aber immer berücksichtigen, dass die Unternehmen weitgehende Planungssicherheiten haben müssten, um weiter in den Beschäftigtenaufbau zu investieren. Nach den Auftragseinbrüchen des letzten Jahres sei man vorsichtig, trotzdem würden Fachkräfte gesucht, vor allem fehle es an ingenieurtechnischem Personal, so Fauth abschließend. (bo)

